Schreiben fürs Hören

Schreiben fürs Hören – 10 Tipps für Podcaster und Video-Creator

Ein Text, der fürs Lesen geschrieben ist, kann nicht 1 zu 1 fürs Hören übernommen werden. Das, was du im Podcast oder im Video sagst, sollte die Anforderungen an eine einfache, verständliche Sprache erfüllen.

Ein extra Skript für den Podcast oder das Video zu schreiben, kostet Zeit, aber der Aufwand lohnt sich.

Warum du für einen Podcast oder ein Video einen eigenen Text schreiben solltest

Beim Zuhören ist es oft so, dass die Hörer nicht ganz so konzentriert bei der Sache sind. Da wird nebenbei gegessen oder in einer Zeitschrift geblättert oder Internet-Shops betrachtet. Der Zuhörer ist also nicht so konzentriert, wie es der Leser ist, der einen Text liest und sich nur darauf konzentriert.

Das, was du in deinem Podcast oder deinem Video sagst, muss daher anders strukturiert und geschrieben sein, damit deine Zuhörer dir auch noch folgen können, wenn sie noch etwas anderes nebenbei machen.

Das erreichst du, indem du dir einen extra Text fürs Hören schreibst und dabei einige Regeln beachtest.

10 Regeln für das Schreiben von Hör-Texten

Wenn du meinen Artikel zum Thema einfache Sprache gelesen hast, werden dir einige der Regeln für die Hör-Texte bekannt vorkommen.

1. klare Struktur

Führe deine Zuhörer in kleinen Schritten ohne Umwege durch deinen Text.

Wenn du von einem Fakt zum nächsten hin und her oder zurückspringst, verwirrst du deine Zuhörer. Es besteht die Gefahr, dass sie entnervt aufgeben und deinen Podcast oder dein Video nicht bis zum Ende hören.

Bei einem längeren Text kannst du auch öfter erwähnen, wo im Inhalt man sich gerade befindet. Auch kannst du kleinere Zusammenfassungen geben, falls deine Zuhörer mal kurz abgelenkt gewesen sind und den Faden verloren haben. Dazu kannst du im Text auch öfter erwähnen, wo man sich gerade befindet.

Wenn ich diesen Text zum Beispiel fürs Hören umschreiben würde, wäre es besser, bei jedem neuen Punkt anzumerken: Regel Nr. 2,3 etc. für das Schreiben von Hör-Texten lautet und dann die Erklärung dazu sagen.

2. kurze Sätze

Lange Bandwurmsätze sind schon beim Lesen sehr schwer zu verstehen. Bei Gehörtem ist es noch viel schwieriger.

Achte daher darauf, dass du möglichst kurze Sätze verwendest. Nicht mehr als 15 Wörter ist ein guter Richtwert.

Solltest du bei deinem Text trotzdem lange Sätze haben, dann geh die Sätze durch und überlege bei jedem Komma, ob du da nicht auch einen Punkt setzen und einen neuen Satz beginnen kannst.

3. aktive Sprache

Nutze viele Verben in der Aktiv-Form und vermeide die Passiv-Form. Das fördert die Verständlichkeit.

Achte auch darauf, dass Haupt- und Hilfsverb direkt nebeneinanderstehen.

4. Perfekt statt Präteritum

Schreibe deinen Text für deinen Podcast oder dein Video so, wie die Menschen sprechen, die dir zuhören.

Menschen nutzen das Perfekt, wenn sie etwas beschreiben, was in der Vergangenheit geschehen ist.

In der Schriftsprache wird dafür das Präteritum genutzt. Das ist fürs Hören nicht so gut geeignet. Nutze das Perfekt, wenn du etwas erwähnst, was in der Vergangenheit stattgefunden hat.

5. vermeide doppelte Verneinungen

Doppelte Verneinungen sind immer schwer zu verstehen, egal ob in einem Text zum Lesen oder zum Hören. Verzichte daher auf doppelte Verneinungen.

6. Zahlen und Prozentangaben

Prozentangaben und Zahlen mit Nachkommastellen können übers Ohr nicht gut vermittelt werden.

Wenn du über Kosten sprichst, dann runde bei Euro-Angaben die Cent-Angaben auf oder ab.

Wenn du zum Beispiel erwähnen möchtest, dass 21,5 % der Deutschen etwas Bestimmtes tun, dann sage besser: Ungefähr jeder 5. Deutsche macht ….

7. Abkürzungen und Fachbegriffe

Einfache Sprache kommt ohne Abkürzungen und Fachbegriffe aus. Wenn du sie verwenden möchtest, dann solltest du sie auf jeden Fall erklären.

8. Synonyme

Du hast es wahrscheinlich im Deutschunterricht auch gelernt, dass du Wortwiederholungen vermeiden sollst, indem du Synonyme nutzt. Dadurch werden Texte für den Leser lebendiger und lassen sich besser lesen.

Für Hör-Texte gilt das nicht. Wortwiederholungen machen es deinem Leser leichter, deinem Beitrag zu folgen.

9. kein Nominalstil

Wörter, die auf -ung enden, machen einen Text schwerfällig. Texte, die viele Nomen (Hauptwörter) anstelle von Verben nutzen, erinnern an Behördensprache.

Wenn dein Text fertig ist, suche alle Wörter, die auf -ung enden und überlege, ob du sie durch ein Verb ersetzen kannst.

10. nutze Adverbien und Konjunktionen

Adverbien (z. B. deshalb, oft, wofür, darum, zurzeit, größtenteils, am liebsten) oder Konjunktionen (z. B. aber, allerdings, anschließend, anstatt, ansonsten) stellen Zusammenhänge und Verknüpfungen her. Nutze Sie daher in den Texten, die du fürs Hören schreibst. Du machst deinen Text für die Zuhörer verständlicher.

Extra-Tipp

Auch wenn es dir vielleicht ungewöhnlich vorkommt: Sprich den Text laut mit, während du schreibst. Meistens merkst du dann sofort, wenn sich etwas zu formell anhört, sich nicht gut sprechen lässt oder vielleicht nicht verständlich ist.

Ist dein Text fertig, lass ihn dir durch die Vorlese-Funktion deines Schreibprogrammes vorlesen. So nimmst du die Position des Hörers ein und merkst schnell, wo du gedanklich aussteigst, weil der Text nicht in einfacher Sprache gehalten ist.

Fazit

Wenn du einen Podcast betreibst oder Video-Creator bist, lohnt es sich für dich, extra Texte für deine Beiträge zu schreiben.

Das kostet dich zwar etwas mehr Zeit, aber deine Zuhörer werden es dir danken.

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